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Bleibt als letzte noch die Melodiesaite übrig.
Hier wird die Sache nun etwas komplizierter.
Die Stimmung der Melodiesaite im Verhältnis zu Baßsaite und mittlerer Saite
kann unterschiedlich sein und hängt ganz davon ab, welche Tonleiter
oder welche modale Skala wir beim Musizieren verwenden möchten. Um das Prinzip der
Stimmung der Melodiesaite verstehen zu können, müssen wir uns
zunächst einmal die Lage der Halbtonschritte auf dem Griffbrett
etwas genauer ansehen:
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Zur Verdeutlichung habe ich das Griffbrett etwas verbreitert dargestellt
und am oberen Rand die Bünde nummeriert. Die Abstände der Bünde
entsprechen in ihrem Wechsel zwischen Ganzton- und Halbtonschritten den weißen
Tasten einer Klaviertastatur.
Wenn wir nun auf einer Saite des Dulcimers eine Skala oder Tonleiter
spielen würden, und zwar mit dem ersten Ton auf der leeren (nicht gegriffenen)
Saite, dem zweiten Ton auf dem ersten Bund, dem dritten Ton auf dem zweiten Bund, usw.,
dann würde sich diese Tonleiter so ähnlich wie eine Dur-Tonleiter anhören.
Danach würden wir eine zweite Tonleiter spielen, aber diesmal nicht mit der leeren
Saite beginnen, sondern mit dem ersten Ton auf dem ersten Bund. Diesmal würde sich
unsere Tonleiter so ähnlich wie eine Moll-Tonleiter anhören.
Eine Tonleiter, die wir auf dem Ton des zweiten Bundes beginnen würden, würde weder
so ganz nach Dur noch so ganz nach Moll klingen.
Eine Tonleiter, die wir auf dem Ton des dritten Bundes beginnen würden, würde
wie eine waschechte Dur-Tonleiter klingen.
Wir könnten nun fortfahren mit unserem Tonleiterspiel und unsere Skalen immer
einen Ton bzw. einen Bund höher beginnen lassen. Bei der Tonleiter, die auf dem
Ton des siebten Bundes beginnt, könnten wir feststellen, dass sie mit unserer
ersten Tonleiter (die, die ihren ersten Ton auf der leeren Saite hatte) identisch ist,
allerdings um eine Oktave (acht Töne) erhöht.
Aber wozu beschreibe ich das Ganze eigentlich so ausführlich? Ich will damit deutlich
machen, dass man auf den Tönen der leeren Saite und der ersten sechs Bünde
Tonleitern bzw. Skalen aufbauen kann, von den jede unterschiedlich klingt und ihren
eigenen Charakter hat. Diese Skalen sind die Tonleitern des mittelalterlichen
Tonsystems Europas und werden Kirchentonarten oder
modale Skalen genannt.
Die vier gebräuchlichsten dieser Kirchentonarten für das Dulcimerspiel sind:
- Die mixolydische Skala,
- die äolische Skala,
- die ionische Skala und
- die dorische Skala.
Die äolische und die dorische Skala haben Moll-Charakter, die ionische und die mixolydische
Skala haben Dur-Charakter. Tatsächlich ist die ionische Skala in ihrer Tonfolge
mit einer Dur-Tonleiter identisch. Die folgende Abbildung zeigt die Lage
dieser Kirchentonarten auf dem Griffbrett:
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Nach diesem etwas langwierigen, aber notwendigen Exkurs über Halbtonschritte,
Ganztonschritte und Kirchentonarten können wir uns nun uneingeschränkt
der Stimmung der Melodiesaite zuwenden. Als erste, ganz allgemein gehaltene Regel
zur Stimmung der Melodiesaite kann man sagen:
Die Melodiesaite wird so gestimmt, dass der erste Ton der Skala,
in der man spielen möchte, eine Oktave (acht Töne) höher
ist als der Ton der Baßsaite.
Die Baßsaite unseres Dulcimers hatten wir ja bereits auf
'D' (Grundton) und die mittlere
Saite auf 'A' (Quinte) gestimmt.
Wenden wir nun die oben stehende Regel zur Stimmung der Melodiesaite
an. Zuerst müssen wir uns für eine Kirchentonart bzw. modale
Skala entscheiden. Wir wählen die ionische
Skala, die auf dem dritten Bund beginnt. Die Melodiesaite muss nun so
gestimmt werden, dass der Ton, der auf dem dritten Bund liegt, eine
Oktave höher ist als der Ton der Baßsaite. Das wäre in
unserem Fall ein 'd'. Ein Ton, der auf
dem dritten Bund gespielt wird, ist eine Quarte (vier Töne) höher
als die leere Saite. Wenn wir nun vom Ton 'd'
vier Töne nach unten rechnen, erhalten wir den Ton, auf den die Melodiesaite
gestimmt werden muss: ein 'A'.
Bei der Stimmung in der ionischen Tonart (man sagt auch "ionische
Stimmung") wird die Melodiesaite also auf den gleichen Ton gestimmt
wie die mittlere Saite.
Auf ähnliche Art könnten wir jetzt auch die Stimmung der Melodiesaite
für die anderen Kirchentonarten ermitteln. Da dies den Rahmen dieser
ohnehin schon viel zu langen Seite endgültig sprengen würde,
gebe ich im folgenden nur noch eine kurze Übersicht für die
Stimmung auf den Grundton 'D' für die
ionische, die mixolydische, die äolische und die dorische Tonart:
Ionische Stimmung in D (wie oben erläutert):
Baßsaite (Grundton): D
mittlere Saite (Quinte): A
Melodiesaite : A
Regel: Bei der ionischen Stimmung wird die Melodiesaite auf
den gleichen Ton wie die mittlere Saite gestimmt.
Kurzschreibweise (Töne in der Reihenfolge Baßsaite, mittlere Saite,
Melodiesaite): D-A-A
Mixolydische Stimmung in D:
Baßsaite (Grundton): D
mittlere Saite (Quinte): A
Melodiesaite : d
Regel: Bei der mixolydischen Stimmung wird die Melodiesaite
eine Oktave höher als die Baßsaite bzw. eine Quarte höher als die mittlere
Saite gestimmt.
Kurzschreibweise: D-A-d
Äolische Stimmung in D:
Baßsaite (Grundton): D
mittlere Saite (Quinte): A
Melodiesaite : c
Regel: Bei der äolischen Stimmung wird die Melodiesaite eine
kleine Terz (drei Töne) höher als die mittlere Saite gestimmt.
Kurzschreibweise: D-A-c
Dorische Stimmung in D:
Baßsaite (Grundton): D
mittlere Saite (Quinte): A
Melodiesaite : G
Regel: Bei der dorischen Stimmung wird die Melodiesaite einen
Ganzton tiefer als die mittlere Saite gestimmt.
Kurzschreibweise: D-A-G
Ergänzend möcht ich noch bemerken, dass es natürlich auch möglich
ist, den Dulcimer in den drei hier nicht erwähnten Kirchentonarten
( phrygisch, lydisch und lokrisch) zu stimmen und zu spielen.
Neben der hier beschriebenen "traditionellen" Art, den Dulcimer zu stimmen,
gibt es auch noch ganz andere Möglichkeiten. So kann man z. B.
die Töne für Baßsaite und mittlere Saite vertauschen oder
Baßsaite und mittlere Saite beide auf den Grundton stimmen oder
Baßsaite und mittlere Saite beide auf die Quinte stimmen oder...oder...oder
Ganz zum Schluss dieser Seite noch ein praktischer Hinweis:
Bei der äolischen und der mixolydischen Stimmung muss die Melodiesaite
relativ hoch gestimmt werden. Wenn man den Grundton zu hoch auswählt,
kann es leicht passieren, dass die Melodiesaite reißt!
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